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Seriously Old Dirt

Südafrikanisches Weinanbaugebiet Stellenbosch Ein Cabernet-Sauvignon aus Stellenbosch

Südafrika und Stellenbosch - das hat der ein oder andere bestimmt schon mal gehört. Das Weinbaugebiet im Western Cape, nicht weit von Kapstadt, beherbergt ca. 200 Weingüter. Da geht also so einiges. Das Problem aber ist: Wir sind im Osten unterwegs. In den Drakensbergen. Geotechnisch gesehen ist die Natur hier etwas anders beschaffen, allerdings ist das nur insofern ein Problem, dass ich deshalb hier kein Foto von einem duften Weinberg, aber doch von einer wirklich eindrucksvollen und superschönen Landschaft posten kann.

Die Drakensberge in Südafrika mit den 'drei Rundhütten'
Three Rondavels / Drakensberge

Abgesehen davon ist mir auf diesem Trip auch noch kein wirklich hervorragender Wein über den Weg gelaufen, was einfach damit zusammenhängt, dass die anderen Reize hier eine wesentlich größere Strahlkraft besitzen. Aber! Irgendwann entdecke ich im verschlafenen Southbroom*, einer dieser kleinen Küstenorte südlich von Durban, bei denen man meint, die Häuser und Villen der weißen privilegierten Schicht wären einfach in den an die Strände grenzenden Dschungel hereingepropft, einen kleinen, aber feinen Spirituosenladen. Arbeiten sieht man hier ausschließlich den schwarzen Teil der Bevölkerung. An der Kasse wird etwas rumgetuschelt, als ich den Rotwein für umgerechnet 15 € aus dem Laden schleppe, was für die überwiegend ärmeren Leute hier einfach 'ne Menge Kohle ist. Zum Vergleich: In Deutschland bekommt man den Seriously Old Dirt bei Hawesko für 27,90 € in der gestylten Pappschachtel.

In der Nase sehr intensiv

Jetzt steht also dieser Cabernet Sauvignon vom Weingut Vilafonté (Die Webseite lohnt sich) auf dem Tisch unserer Airbnb-Bude (mit Meeresblick 🔥) in Port Edward. Eigentlich ist es eine Cuvée, die Anteile der anderen Sorten sind bei 94% Cabernet-Traube eher marginal. Aber der Vollständigkeit halber noch die fehlenden Prozente: Malbec 3% , Merlot 2% , Cabernet Franc 1%. Das Ganze atmen wir ein, schwenken die Gläser und saugen den Geruch noch einige Male auf. Ein sehr intensives Bouquet nach dunklen Beeren, Pfeffer und Leder, das kommt relativ klar durch. Der Rotwein hat eine dunkle Farbe, Kirchenfenster sind auch da, aber die Intensität der Beere zieht schon heftig in die Nase. Geil. Bin gespannt wie er schmeckt.

Seriously Old Dirt

Sehr diffiziler Geschmack

Beim ersten Schluck denke ich, dass die Tannine noch nicht ganz reif sind, ist da etwas leicht Saures? Nee, stop, was ist das? Einen Moment noch, das ist doch etwas vielschichtiger. Die intensiven würzigen Noten, die mich als erstes angesprungen haben, zeigen sich sehr gut eingebettet in eine samtige, fast weiche Melange aus beerigen Noten. Vielleicht ist da noch etwas nussiges, auch etwas Schokolade. Wirklich sehr edel, vollmundig, von schöner Struktur. Das wird umso klarer, je länger er atmet.

Abgang & Fazit

Ein sowohl würziges als auch seidiges Aroma in einem gelungenen Gesamtbild. Der Abgang ist tief, überdurschnittlich intensiv und mit langem Nachhall.

Primitivo-Fans und allen Anhängern der weichen, halbtrockenen Rotweine wird er unter Umständen etwas zuviel Kante haben. Vielleicht hätte ich mir für diesen Preis noch ein wenig mehr aromatischen Schmelz gewünscht. Allen Liebhabern von gutem Bordeaux wird er vermutlich sehr gut schmecken. Das hängt nicht nur mit den Bordeaux-typischen Rebsorten zusammen sondern auch damit, dass dieser trockene, intensive Rotwein ein sehr harmonisches Zusammenspiel sehr unterschiedlicher, wenn auch nicht ausgefallener Komponenten aufweist.

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Rotwein

Rebe: Cabernet Sauvignon, Malbec, Merlot, Cabernet Franc
Jahrgang: 2022
Region: Stellenbosch
Alkohol: 13,5 %
Bezugsquelle: OK-Liquor
Preis: ca. 15,00 €
Schulnote: 2+ / 4.3 Sterne von 5

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*Namen wie 'Three Rondavals', 'Port Edward' oder 'Southbroom' stammen natürlich nicht von der schwarzen Bevölkerung, die meist Zulu oder Sotho spricht, sondern sind fantasievolle bis beknackte Bezeichnungen der einstigen Kolonialmächte England und Niederlande und meist dem Englischen oder der Sprache 'Afrikaans' entlehnt, was eine simplifizierte Form des Niederländischen darstellt, die sich echt bescheuert anhört. Und wär das hier keine Page über Wein, könnte ich mich auch über die Unfähigkeit aufregen, die die Erben Nelson Mandelas in der ANC an den Tag legen, leider eine durch und durch korrupte Regierung, weshalb dieses unglaublich geile Land den Arsch nicht hoch bekommt. Ich hoffe, ihr verzeiht mir diesen kleinen politischen Ausflug.

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